Beijing +25

Was wurde bisher erreicht?

Die NGO-Koordination post Beijing Schweiz wurde vom Eidg. Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG für die Erstellung eines Staatenberichts zu Beijing +25 konsultiert. Der Bericht weist die jüngsten Erfolge und bestehende Probleme aus:

Bern, 06.06.2019 - Mit Blick auf den 25. Jahrestag der Deklaration von Peking nächstes Jahr zieht die Schweiz zuhanden der UNO Bilanz über die Fortschritte und Lücken in der Gleichstellung von Frau und Mann. Erfolgen wie der Pflicht zur Lohnanalyse für Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden und der gezielteren Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen stehen Defizite in der Lohngleichheit und damit verbundene tiefere Frauenrenten sowie Herausforderungen etwa bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gegenüber.

Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden müssen künftig ihre Lohnpraxis auf Lohngleichheit hin überprüfen. Ende letzten Jahres beschloss das Parlament eine entsprechende Revision des Gleichstellungsgesetzes. Frauen in der Schweiz sind besser vor Gewalt geschützt. Mit dem 2018 in Kraft getretenen Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul Konvention) und den Änderungen im Zivil- und Strafrecht wie der elektronischen Überwachung von Rayon- oder Kontaktverboten wird Gewalt gegen Frauen wirkungsvoller bekämpft. Und seit 2003 fördert der Bund die familienergänzende Kinderbetreuung finanziell und hat dabei die Schaffung von gut 60'100 Betreuungsplätze für Kinder unterstützt.

Trotz solcher wichtigen Erfolge bestehen weiterhin Probleme: Frauen verdienen nach wie vor durchschnittlich 18% weniger Lohn als Männer, wodurch ihre Renten 37% tiefer sind. Traditionelle Rollenbilder prägen immer noch stark die Berufs- und Studienwahl von Mädchen und Buben. Arbeit und Familie sind auch heute noch schwer zu vereinbaren, stehen doch in der familienergänzenden Kinderbetreuung weiterhin zu wenige Plätze zur Verfügung. Der Anteil der Frauen im Schweizer Parlament stagniert seit 2007. Und rund alle 2 Wochen endet häusliche Gewalt tödlich.

Diese Bilanz zieht die Schweiz knapp 25 Jahre nach der 4. Weltfrauenkonferenz von 1995 in Peking zuhanden der UNO. Damals verabschiedeten 189 Staaten, darunter die Schweiz, eine Deklaration mit visionären Forderungen sowie die sogenannte Beijing-Aktionsplattform zu deren konkreten Umsetzung. Mit dem Bericht kommt die Schweiz dem Aufruf der UNO nach, jüngste gleichstellungspolitische Meilensteine aufzuzeigen und den aktuellen Handlungsbedarf auszuweisen. Die weltweiten Fortschritte und Lücken in der Geschlechtergleichstellung seit 1995 stehen im Zentrum der 64. Sitzung der UNO-Kommission für die Stellung der Frau (CSW), die nächstes Jahr in New York stattfinden wird.


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